Proconsul africanus Spezies: Proconsul africanus
lebte vor: ca.27 – 17 Millionen Jahren
Lebensraum: Ostafrika, Kenia
Entdecker: Arthur Hopwood

Proconsul nennt man eine frühe Gattung von Primaten, die vor 27 bis 17 Millionen Jahren während des Miozän in Ostafrika lebten. Bis heute sind vier Arten bekannt, die zwischen 10 und 80 kg schwer wurden. Bevorzugter Lebensraum waren feuchte Regenwälder, die zur Zeit des Miozäns auch den Osten Afrikas bedeckten.

Proconsul wurde lange Zeit als Vorfahr der modernen afrikanischen Menschenaffen angesehen. Heute ist allerdings eher davon auszugehen, dass er und die afrikanischen Menschenaffen Schwestertaxa sind.

Die einzelnen Arten variierten zwischen 15 und 87 kg und bildeten damit die Primatengruppe mit der höchsten Diversität, allesamt Früchtefresser und ans Baumleben angepaßte Vierbeiner. Sie variierten in einer Größe, die von unterhalb der heutigen Gibbons bis zu den weiblichen Schimpansen reicht. Die Gehirnkapazität von bis zu 170 cm³ war größer als die heutiger Affen gleicher Größe. Eine Entfaltung des Gehirns setzte damit schon vor ca. 20 Millionen Jahren ein.

Bis heute wurden vier Arten beschrieben, die sich in der Körpergröße deutlich unterscheiden:

  • Proconsul africanus hatte keinen Schwanz und bewegte sich auf allen Vieren in den Bäumen. Sein Gewicht wird auf 18 kg geschätzt.
  • P. heseloni ähnelte P. africanus und ist möglicherweise artgleich mit diesem.
  • P. nyanzae war mit geschätzten 28 kg deutlich größer und hatte eine längere Schnauze als die anderen Arten.
  • P. major war mit einem Gewicht von bis zu 75 kg die größte Art. Manchmal wird diese Art auch der GattungDryopithecus zugerechnet.

Die ersten Menschenaffen aus dem frühen Miozän unterscheiden sich von ihren heutigen Nachfahren in Körperhaltung und Fortbewegungsweise. Die modernen Menschenaffen beherrschen ganz unterschiedliche Lokomotionsformen, vom weit ausgreifenden Schwinghangeln der Gibbons in den Baumkronen bis zum Knöchelgang der Gorillas auf dem Boden. Dagegen kletterten die frühen Menschanaffen vierfüßig auf den Ästen, sie waren in ihren Möglichkeiten also recht eingeschränkt, was mit ihrem Körperbau zusammenhing.

Die bekanntesten dieser frühen Menschenaffen gehören zur Gattung Proconsul, von der Paläontologen bemerkenswert vollständige Fossilien auf der kenianischen Halbinsel Rusinga im Nyanza-See, dem früheren Viktoriasee, fanden. Momentan unterscheiden die Wissenschaftler vier Proconsul-Arten. Die kleinste wog zehn, die größte möglicherweise achtzig Kilogramm.

Proconsul nyanzae

Proconsul nyanzae Fossil, Muséum national d’histoire naturelle, Paris.

Proconsul vermittelt einen guten Eindruck davon, wie diese Menschenaffen gebaut waren und wie sie sich fortbewegten. Sie besaßen keinen Schwanz mehr, dafür waren ihre Hüften, Schultern, Hand- und Fußgelenke sowie Hände und Füße bereits beweglicher als bei den Tieraffen. Die ausserordentliche Gelenkigkeit der modernen Menschenaffen (und des Menschen) kündigte sich gewissermaßen schon an, dank derer heutige Menschenaffen auf einzigartge Weise schwungvoll durchs Geäst zu hangeln vermögen. Später nutzte der Mensch die hohe Beweglichkeit seiner Hände unter anderem zum Anfertigen von Werkzeugen.

Daneben bewahrten Proconsul und seine hominiden Zeitgenossen noch etliche ursprünglichere Merkmale. Wirbelsäule, Becken und Arme glichen in manchem noch stark denen von Tieraffen. Wie ihre äffischen Vorfahren waren die ersten Menschenaffen besser dafür gerüstet, auf Ästen entlangzuklettern, als sich mit den Armen daran zu hängen und vorwärts zu schwingen.

Entdeckung und Klassifikation

Das erste Exemplar, ein teilweise erhaltener Kiefer, der 1909 von einem Goldsucher bei Koru, nahe Kisumu in Westkenia entdeckt wurde, war bis vor kurzem auch das älteste bekannte Fossil eines Hominoiden, und das erste Säugetierfossil überhaupt, das man im subsaharischen Afrika fand.

Der Name Proconsul stammt von Arthur Hopwood aus dem Jahr 1933 und bedeutet “vor Consul.” Der Name soll auf einen in den 1930er Jahren prominenten Schimpansen des Londoner Zoos mit Namen Consul zurückgehen. Hopwood hatte 1931 die Fossilien von drei Individuen bei einer Expedition mit Louis Leakey in der Nähe des Viktoriasees entdeckt und wählte für die Beschreibung der Funde diesen Namen, um auf die Verwandtschaft mit Schimpansen hinzuweisen. Proconsul ist also mit Hopwoods Worten so zu verstehen: Vorfahre der Schimpansen. Später fügte er noch africanus als Artname hinzu. Proconsul africanus war zu dieser Zeit das einzigste bekannte Exemplar.

Spätere Fossilfunde wurden zunächst ebenfalls als africanus eingestuft, nachher aber reklassifiziert. Betrachtete man die Gesamtheit der Fossilien ursprünglich als africanus, so spaltete man sie nun auf und fasste einige Fragmente mit anderen Funden zusammen und vergab neue Artnamen. So verhielt es sich z. B. mit der berühmten Entdeckung Mary Leakeys aus dem Jahr 1948. Ursprünglich als africanus klassifiziert, fasste Alan Walker 1993 die Funde Leakeys mit denen von T. Whitworth aus dem Jahr 1951 zusammen und benannte sie als Proconsul heseloni. Diese Umbenennung sorgte in der Öffentlichkeit für einige Verwirrung.

Der Familienname Proconsulidae wurde 1962 von Louis Leakey vorgeschlagen, elf Jahre nachdem er und Wilfrid Le Gros Clark die Spezies africanus, nyanzae und major definiert hatten. Dieser Vorschlag wurde nicht überall sofort akzeptiert, ist aber heute allgemein gebräuchlich.

Die Geschichte der Klassifikation der Hominoiden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist kompliziert genug, um selbst einige Bücher zu füllen. Im Zuge neuer Fossilfunde und neuer Untersuchungen mussten die meisten Paläanthropologen ihre Ansichten mindestens einmal ändern, und dies wird wohl auch in Zukunft so sein. Klassifikationen, die in der Literatur über die Jahrzehnte hinweg aufgetaucht sind, stimmen im Allgemeinen nicht überein. So vertreten z.B. Peter Andrews und Lawrence Martin, zwei angesehene Paläontologen, seit 1987 die Ansicht, dass Proconsul kein Hominoide ist, sondern ein Schwestertaxon darstellt.

Artikel: Hans-Peter Willig,

Quelle:

Alan Walker, Pat Shipman, The APE in the TREE: An Intellectual & Natural History of Proconsul, The BELKNAP PRESS of HARVARD UNIVERSITY PRESS, Cambridge, Massachusetts, London, England, 2005

http://www.evolution-mensch.de/thema/primaten/proconsul.php

One response »

  1. seo firması diyor ki:

    Sayfanızı çok beğendim makalelerinizin devamını beklerim paylaşım için teşekkürler

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