Dass Australopithecinen wie die berühmte “Lucy” bereits gut auf zwei Beinen laufen konnten, gilt als gesichert. Unklar ist allerdings, ob sie mehr Zeit auf dem Erdboden verbrachten oder die Baumkronen vorzogen, denn Fossilien, die ein Bild von der Anatomie des Fußskeletts vermitteln sind Mangelware. Ein neu entdeckter Mittelfußknochen desAustralopithecus afarensis gibt nun nähere Auskunft: Offenbar hatte sich der Vormensch bereits deutlich an den zweifüßigen Gang angepasst – was auf Kosten seiner Kletterfähigkeit ging.

Das schließen die Forscher um Carol Ward von der University of Missouri in Columbia aus der Form des Knochens, der seinem menschlichen Gegenstück erstaunlich ähnlich sieht. Verdrehungen um Längs- und Querachse und die Lage der Ansatzstellen zu den übrigen Fußknochen lassen vermuten, dass A. afarensis wie der Mensch über eine gewölbte Fußsohle verfügte.

Der Mittelfußknochen in verschiedenen Ansichten
Der über drei Millionen Jahre alte Knochen ist so gebogen und fügt sich so in das umliegende Skelett ein, dass Wissenschaftler vermuten, Australopithecus afarensisdürfte eine gewölbte Fußsohle gehabt haben. Sie unterstützte ihn beim Laufen auf zwei Füßen.

Damit scheinen unsere Vorfahren bereits vor mindestens 3,2 Millionen die Entwicklung zur typisch menschlichen Fußanatomie abgeschlossen zu haben, so die Forscher. Beim Laufen erfüllt die Wölbung eine Doppelfunktion: Sie ist stabil genug, um beim Abstoßen genügend Druck auf den Boden ausüben zu können, und wirkt beim Auftreten gleichzeitig als Stoßdämpfer.

Lage des Knochens in einem menschlichen Fußskelett

Schimpansen oder Gorillas hingegen haben Plattfüße behalten, die ihnen das Klettern erleichtern und mit denen sie Gegenstände packen können.

Derzeit sind nur sehr wenige Fußskelettteile aus der Zeit der Australopithecinen erhalten. Der nun erstmals eingehend untersuchte linke vierte Mittelfußknochen wurde bereits im Jahr 2000 im äthiopischen Hadar entdeckt, als Wissenschaftler Sand aus einer 3,2 Millionen Jahre alten Bodenschicht siebten, die für ihren Reichtum an Australopithecus-Fossilien bekannt ist. (jd)

Quelle:

http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1063624&_z=859070

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