Die Entwicklung der Bionik in den nächsten Jahren wird Kloning-Experimente und Technologien parat stellen.

1997, als ein Wissenschaftler-Team um Svaante Pääbo, damals an der Universität München, in einer Nobel Preis-würdigen Arbeit, aus dem Original-Neandertaler, dem sogenannten Feldhofer-Skelett, DNA (oder DNS, Erbsubstanz) entnahm und analysierte, konnte das Team anschließend zuversichtlich vermelden: “Die Neandertaler sind nicht unsere Vorfahren.”
Obwohl dieser Menschentyp erst vor rund 30.000 Jahren von der Bildfläche verschwand und zuvor etwa 10.000 Jahre lang mit dem modernen Homo sapiens in Europa koexistierte, zeigte die genetische Analyse, dass die beiden Familienzweige sich schon 500.000 Jahre früher aufgespalten hatten. Auch wenn die Neandertaler also die gleiche geographische Region wie die heutigen Europäer bewohnten, von der Atlantikküste im Westen bis nach Usbekistan im Osten, von Wales im Norden bis nach Gibraltar und weiter bis in die Levante im Süden, wiesen sie doch keine größere Verwandtschaft mit Europäern als mit irgendwelchen anderen Populationen der heutigen Menschheit auf. Sie bildeten, wie die Genetiker meldeten, eine eigene, klar abgegrenzte Spezies.

In einem zweiten Experiment im Jahr 1999, durchgeführt von William Goodwin und Kollegen von der Universität Glasgow an den Überresten eines Neandertaler-Kleinkinds, die in einer Höhle im nördlichen Kaukasus gefunden wurden, bestätigten sich die Ergebnisse des ersten Tests. Auch hier bestand wieder eine deutliche Distanz zu allen heute lebenden Menschen. Die beiden Skelette wiesen zwar untereinander eine genetische Differenz von 3.5 Prozent auf, die aber bei der geographischen Entfernung von mehreren Tausend Kilometern und der zeitlichen Kluft von etlichen Zehntausend Jahren wenig überraschte. Ein weiterer Test zeigte übrigens, dass sowohl Neandertaler als auch heutiger Mensch ungefähr gleich weit vom Schimpansen entfernt sind. Das überraschte nicht, spalteten sich doch Neandertaler und Homo sapiens beide vom vergleichsweise neuzeitlichen Homo heidelbergensis ab, während der Split Schimpanse/Mensch schon vor gut fünf Millionen Jahren stattfand.

Im Gegensatz zu der technisch aufwendigen PCR-Methode der Pääbo-Gruppe wandte das schottische Team in diesem Fall zur DNA-Analyse die einfachere Hybridisierungs-Methode an. Ein weiterer Vorteil dieser Methode, bei der die Distanz zu einer heutigen DNA-Form gemessen wird: sie erwies sich auch als erfolgreich bei Neandertaler-Proben aus Krapina (Kroatien), deren Alter auf 130.000 Jahren vor heute geschätzt wird. Die PCR-Methode hingegen, die z. B. auch zur Bestimmung des AIDS-Virus benutzt wird, funktioniert nur bei DNA, die weniger als 100.000 Jahre alt ist.

Jedenfalls schien jetzt die alte Kontroverse – ob die Neandertaler (a) die direkten Vorfahren der modernen Europäer seien, ob sie (b) wenigstens eine genetische Spur in heutigen Menschen hinterlassen hätten, oder (c) völlig unabhängig wären – endgültig gelöst. Die Antwort lautete: die Neandertaler waren (c) mit keiner heutigen Menschengruppe verwandt. Und die Gewissheit wuchs noch aufgrund einer ganzen Reihe anderer Untersuchungen: Neandertaler und moderner Homo sapiens waren zwei verschiedene Spezies, sagten die Wissenschaftler – vergleichbar unterschiedlichen Affenspezies.

Doch der Effekt der unumstößlichen Sicherheit, der Verlässlichkeit der gewonnen Erkenntnisse, war nur von kurzer Dauer. Aus Portugal kam letztes Jahr die Nachricht von einem Skelettfund – es handelte sich um das sogenannte Kind von Lapedo – der Merkmale des modernen Menschen aufwies, aber auch deutliche Kennzeichen des Neandertalers. Hatten Neandertaler und moderne Menschen also doch lebensfähige Nachkommen gezeugt? Besonders überraschend war dabei das Alter des Skeletts: 24.000 Jahre. Zu diesem Zeitpunkt hätte es längst keine Neandertaler mehr in Europa geben sollen. Der letzte Neandertaler, so hatte man bis dahin noch zuversichtlich verkündet, sei in Zafarraya, Spanien, vor 28.000 Jahren ausgestorben.

Wie auch immer: das Schicksal des Neandertalers steht hier nicht zur Debatte. Wissenschaftlich erscheint es aber in einem ganz neuen Licht aufgrund von Funden aus – Australien. Hier gibt es menschliche Fossilien, teilweise wurden sie schon um 1880 ausgegraben oder gefunden, die archaische Züge aufweisen, die manchmal an den Homo erectus erinnern – also jenen Vorfahren von modernen Menschen und Neandertalern, der noch vor dem Homo heidelbergensis liegt. Nach dem berühmtesten Fund dieser Art nennt man diese australischen Fossilien als dem Kow Swamp-Typus zugehörig. Das Paradoxe an diesen Funden ist, dass sie zuverlässig auf 10.000 bis 30.000 Jahre datiert werden konnten. Auch aus Indonesien, aus Ngandong, gibt es erectus-ähnliche Funde. Ihr Alter wurde auf 27.000 Jahre vor heute datiert. Homo erectus ist aber nach allgemeiner Übereinstimmung spätestens vor 500.000 Jahren abgetreten.

Doch nicht genug damit: Charakteristiken des Kow Swamp-Typs finden sich in Australien noch an Skeletten aus sehr viel jüngerer Zeit. Sogar heute lebende Aborigines werden von Paläanthropologen wegen ihrer äußerlichen Merkmale gelegentlich als “archaische Kaukasoide” eingestuft. Das bedeutet nichts anderes als “Europäer eines früheren Typs”. Einige Wissenschaftler meinen daher, dass, genau genommen, die Kow Swamp-Fossilien weniger an Homo erectus erinnern. Sie ähneln eher Neandertalern.

Kurios ist dabei der Fund eines vollständig modern wirkenden, grazilen Skeletts, das unter dem Namen Lake Mungo 3 bekannt geworden ist. 1974 gefunden, kürzlich erst zuverlässig auf 60.000 Jahre datiert, wurde es im Jahr 2000 genetisch untersucht. Das macht “Mungo” zum ältesten modernen Homo sapiens, der bisher genetisch analysiert wurde. Doch das Resultat zündete in der Wissenschaft wie eine Tischbombe auf einer Party: “Mungo” ist mit keiner der heute lebenden Menschenarten verwandt.

Was kann man aus diesem verwirrenden Ergebnis ablesen? Dass der erste moderne Mensch in Australien entstand, statt in Afrika? Dass er gleichzeitig in Australien UND in Afrika entstand?

Auf alle Fälle klar ist, dass die Genetik fürs erste an eine Schallmauer ihrer Erkenntnisfähigkeit gestoßen ist. Bisher wurde für diese Art von Tests immer nur DNA aus den Mitochondrien – aus den Energiezentren der Zellen – entnommen. Ob aber Neandertaler beispielsweise andere Gene, aus dem Zellkern, an die heutigen Menschen weitergegeben haben, ist bisher noch unbekannt. DNA-Untersuchungen an Cro-magnon Menschen, den Nachfolgern der Neandertaler in Europa, gibt es bislang ebenfalls noch keine. Auch Untersuchungen an der Erbmasse des Lapedo-Kindes fehlen bisher. Erst sie würden zeigen, ob Neandertaler und moderne Homo sapiens tatsächlich miteinander Nachkommen zeugen konnten.

Damit die genetischen Analysen Sinn machen, bedarf es erst noch der wirklichen Entschlüsselung des menschlichen Genoms, das sozusagen jetzt bereits gedruckt vorliegt, aber noch nicht entziffert worden ist. Man kann zwar eine Seite im Buch des Lebens aufschlagen, aber der Text kann noch nicht gelesen werden. Zudem fehlt bisher noch ein genetischer Rosetta-Stein, eine Konkordanz, die uns zeigt, was die Neandertal-DNA uns eigentlich sagen will. Erst wenn eine relativ komplette genetische Topographie auch für mittlerweile ausgestorbene Hominiden vorliegt, können wir hoffen, dass gewisse Schlüsselbereiche der genetischen Codes zwischen Neandertaler und Homo sapiens miteinander zur Deckung gebracht werden können. Und das könnte bedeuten, dass die geographische Deckungsgleichheit zwischen Neandertalern und modernen Europäern nicht allein eine genetische Verwandtschaft suggeriert, sondern auch beinhaltet. Die alte Kontroverse über das Schicksal der Neandertaler ließe sich zuletzt also vielleicht doch mit der Option (b) beantworten: dass sie wenigstens eine genetische Spur in den heutigen Menschen hinterlassen hätten.

Dass diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden kann -darauf lassen verschiedene Gruppen unter den Schimpansen (unseren nächsten Verwandten) schließen. Denn obwohl Schimpansen sich optisch für unser Auge wenig unterscheiden, sind sie doch oft genetisch um etliche Prozentpunkte weiter von einander entfernt als Homo sapiens und Neandertaler. (Bei Orang Utans verhält es sich noch extremer.) Und trotzdem sind sie untereinander voll fortpflanzungsfähig.
Die Entwicklung der Bionik in den nächsten Jahren wird Kloning-Experimente und Technologien parat stellen, die sicher die Jurassic-Park und Insel des Doktor Moreau-Phantasien REAL übertreffen werden. Welche ethischen Bedenken sollte es geben, eine gefährdete Art (sibirischer Tiger, indischer Löwe) durch Vervielfältigung zu bewahren? Und was hindert uns daran, eine bereits ausgestorbene Art (Mammut) wieder zu erwecken? Von da aus ist es dann nur noch ein kleiner, Darwinscher Schritt, Schimpansen und Orangs zu kreuzen, um zu sehen, ob die Spezies-Barriere im Labor niedergerissen werden kann. Und danach: Klonen wir den Neandertaler? Immerhin war er ein evolutionär erfolgreiches Modell, das über 200.000 Jahre in Europa unter teilweise extremen Klimabedingungen überlebt hat. Vielleicht bietet ja die Rückkehr zum künstlich designten Neandertaler-Typus die einzig reale Überlebenschance für Menschen in Europa, eine – bald – kommende Eiszeit erfolgreich zu überleben?

Quelle:

http://www.heise.de/tp/artikel/7/7105/1.html

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